Börsen-Zeitung, 19. Mai 2026. Lukas Arndt (dpa-AFX)
Der Prothesenhersteller Ottobock sieht sich harscher Kritik vom Shortseller Grizzly Research ausgesetzt: Es sei unklar, wieviel das Unternehmen tatsächlich an den Kriegsversehrten Russlands verdient und ob es überhaupt Zugriff auf diese Gelder habe.

Die Aktien von Ottobock sind nach einem negativen Bericht von Grizzly Research am Dienstag massiv unter Druck geraten und haben zeitweise 13% verloren. Der Leerverkäufer trat mit seiner Kritik just am Tag der Hauptversammlung des Orthopädietechnik-Unternehmens auf den Plan.
Grizzly Research stützt die Kritik hauptsächlich auf Spekulationen um den „ausufernden Lebensstil“ von Hauptanteilseigner Hans Georg Näder, dem 81% der Anteile zugeschrieben werden und mutmaßt, Näder würde aufgrund seiner Ausgabenfreude von Kursgewinnen bei Ottobock profitieren.
Wert des Russlandgeschäfts ungewiss
Das Reporting des „Core-Ebitda“ würde es dem Unternehmen ermöglichen, weniger profitable Geschäftsbereiche aus der prominenten Kennzahl auszuklammern und die Profitabilität so zu schönen. „Im letzten Jahresbericht hat hat Ottobock eine „Underlying Core EBITDA margin“ von 26% präsentiert (…) die tatsächliche GAAP-IFRS-Nettomarge liegt bei 5,3%“ heißt es in dem Bericht.
Auch das Russlandgeschäft von Ottobock steht in der Kritik: Zwar Versuche Ottobock, die Geschäfte in dem Land als „weniger operativ relevant“ darzustellen, habe berichte seit vergangenem Geschäftsjahr aber keine Kennzahlen mehr aus dem Land, so der der Bericht. Der Konzernumsatz sei von 2024 auf 2025 um 12,4% gestiegen, gleichzeitig sei das Russland-Geschäft aber nach eigenen Schätzungen um 76% gewachsen, so Grizzly Research. EU-Sanktionen gegen Russland würden es Ottobock zugleich erschweren, etwaige Gewinne aus dem Land abzuführen – 12 bis 21 Mill. Euro seien womöglich eingefroren.
Ottobock markierte am Dienstag den SDax-Schluss; an dessen Spitze legte Atoss mit einem Plus von 12,4% zu. Dax und MDax profitierten von den Ankündigungen Donald Trumps, den Iran heute doch noch nicht angreifen zu wollen und verteidigten gegen Mittag ihre erhöhten Niveaus von 24.640 bzw. 31.900 Punkten. Unter den Einzelwerten stachen SAP mit 6,5%, sowie Nemetschek und Hensoldt mit jeweils 8,9% und TKMS mit 6,4% Zuwachs tiefgrün hervor.